Motorradstraße Deutschland-MSD - Die Nordroute

MSD Nordroute - Ederbergland

Die Nordroute der Motorradstraße Deutschland (MSD) führt, wie der Name schon vermuten lässt, in den Norden der Republik und liefert den attraktiven Beweis, dass starke Motorraderlebnisse nicht von Kurven und Kehren abhängig sein müssen. Vor und nach der angenehmen Entschleunigung rund um die Nordmetropole Hamburg warten allerdings im Harz, dem Weserbergland und dem Sauerland Motorradstrecken mit Windungspotential vom Feinsten. Eine Vielzahl interessanter Stoppmöglichkeiten machen den besonderen Reiz dieser Tour aus.

 

2018 06 MSD RoutenKarte MSD Nord Abschnitte 01Die ersten Kilometer geht es auf historischem Rennterrain dahin, denn auf diesem Teilstück des legendären Schottenrings jubelten einst Zehntausende den Herren auf ihren Höllenmaschinen zu. Schnell ist Lauterbach erreicht und wenig später packt das Knüllgebirge Asphaltabschnitte aus, die wirklich der Knüller sind und dem Namen der Mittelgebirgsregion alle Ehre machen.


Rotkäppchen und der Wolf


Wir befinden uns im Rotkäppchenland und der Kurvenwolf in uns interessiert sich mehr für die Piste als für die grimmsche Großmutterversorgerin. Ein Stopp empfiehlt sich da schon eher in Rotenburg an der Fulda, wo man in der Altstadt eine sehenswerte Fachwerkkulisse vorfindet. Von Rotenburg nach Waldkappel glänzt die fast unbekannte Motorradregion Waldhessens mit weiterem Kurvenspektakel , das auch auf den weiteren Kilometern nach Bad Sooden-Allendorf kaum an Attraktivität verliert.


Mit dem Grenzmuseum Schifflersgrund im unweit entfernten Asbach-Sickenberg wird deutsche Geschichte vor dem Mauerfall beeindruckend und teilweise beklemmend gezeigt – unbedingt ansehen.
Nach weiterer abwechslungsreicher Fahrt wird die Grenze nach Niedersachsen passiert und mit dem Eichsfeld eine Region erreicht, die mit Spaßstraßen und einer schönen „Hauptstadt“ gefällt, denn rund 600 Fachwerkhäuser sorgen für Duderstadts ganz besonderen Charme.


Wo die Hexen daheim sind


Wenig später ist der Harz erreicht und damit die letzte Gelegenheit auf Nordkurs noch einmal knackigen Schräglagenspaß zu genießen. Und der ist reichlich vorhanden. Von Herzberg über Braunlage nach Altenau, von dort nach Goslar und dann weiter windungsreich nach Seesen. Gleich drei Bikertreffs laden auf diesem Routenabschnitt zum Pausenstopp. Der bekannteste Treff des Harzes ist wohl Torfhaus, aber auch die Wald-Lodge-Altenau und die Okertalsperre sind beim Motorradvolk überaus beliebt.

Stoppen lohnt sich


Für Fans von Fahrzeugmuseen ist jetzt ein Abstecher zum PS Speicher in Einbeck Pflicht. Die Entwicklung des Individualverkehrs ist das große Thema der Ausstellung, die auf dieser Zeitreise mit teils unglaublichen Exponaten aufwartet. Es folgt die Umfahrung der Niedersachsenmetropole Hannover, die zumindest motorradtauglich ist und durchaus nicht langweilt. Mit dem Steinhuder Meer umfährt man dann den größten See Nordwestdeutschlands und nimmt Kurs auf die Lüneburger Heide. Dahingleiten in angenehmer Reiselandschaft ist angesagt und die einladenden Reethäuser tragen zum Entschleunigungsgefühl der Region bei. Auf kleinen Straßen geht es vorbei an Suderburg und Uelzen bevor mit Lüneburg die namensgebende Stadt der Heide erreicht wird. Die historische Salz- und Hansestadt gefällt sofort lohnt sich zum Besichtigungsstopp.
Weiter geht´s nach Winsen an der Luhe, wo frei nach Udo Lindenberg Groupie Angeilika herkam, die keinen Star in Ruhe ließ, inzwischen aber im rentenalter sein müsste. Und bevor man der MSD-Route in Richtung Lauenburg folgt sollte man ein, zwei oder mehr Tage für das Tor zur Welt einplanen, wie sich die Hansestadt Hamburg selbstbewusst und mit Recht nennt.


Das Tor zur Welt


Der Hafen ist der Dreh- und Angelpunkt der Stadt, die nicht nur durch die Hamburger Harley Days und durch den Sitz des Zubehörspezialisten Louis als die Motorradstadt Deutschlands gilt. Die Hamburger Biker treffen sich am Fährimbiss Zollenspieker oder im Hardrock Café an den Landungsbrücken.
Und wo fahren sie Motorrad, die Hamburger? Na da wären wir ja wieder bei unserer MSD-Route, die jetzt in Richtung Lübeck führt und dabei die Eulenspiegelstadt Mölln integriert. Till Eulenspiegel, der heute wohl ein Mix aus Comedian und Aktivist wäre, hielt den Großkopferten nicht nur den Spiegel vor, sondern brachte sie durch Streiche und Schabernack darüber hinaus in peinliche Situationen.
Mit Deutschlands Ruderhochburg Ratzeburg erreicht der Tourer dann die tolle Inselstadt am gleichnamigen See. Dem Gewässer in nördliche Richtung folgend ist es nicht mehr weit bis zum Marzipanmekka Lübeck. Der mittelalterliche Stadtkern ist seit 1987 Weltkulturerbe der UNESCO Rund 1800 denkmalgeschützte Gebäude gilt es beim Spaziergang durch verwinkelte Gässchen und romantische Sträßchen zu entdecken. Natürlich muss das Wahrzeichen der Stadt, das Holstentor, auf den Foto-Chip gebannt werden.


Die Schweiz im Norden Deutschlands


Die Holsteinische Schweiz ist ein weiterer Höhepunkt beim Cruisen im Norden Deutschlands. Die Seenlandschaft um Plön und Malente ist ein Traum und von einem Kurvenentzug ist nichts zu spüren. Entlang der Lübecker Bucht führt die MSD-Route zur Insel Fehmarn, die durch die Fehmarnsundbrücke und die Verbindung nach Dänemark keine Unbekannte ist. Aber auch als Urlauber ist Deutschlands drittgrößtes Eiland durchaus eine Reise wert. Dies bestätigt auch die Inselumrundung nachhaltig, bevor es entlang der Hohwachter Bucht nach Brasilien geht, das hier nur rund 3 Kilometer von Kalifornien entfernt liegt. Nein, der Autor hat nicht zu tief in die Flasche geschaut – Brasilien und Kalifornien sind zwei kleine Orte bei Schönberg, die zwar nicht ganz mit der Copacabana mithalten können, aber verflucht nah dran und mit dem Motorrad wesentlich besser zu erreichen sind.
Mit Kiel wird nun die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins passiert. Dies geschieht wieder auf kleinen Straßen, die immer wieder von schönen Seenlandschaften, wie z.B. der vom Postsee und vom Westensee begleitet werden.
Nach Eckernförde, das bei der Wahl zur „Motorradfreundlichsten Stadt“ schon einmal einen Sieg einfuhr, kann die Landschaft an der Schlei besonders punkten. Punkten kann man auch einige schöne Landschaftskilometer weiter in Flensburg, aber statt Preisgelder warten dann Bußgelder. Da die Flensburger Brauerei uns Bikern ja einst auch den Wernerschen Bölkstoff lieferte wollen wir mit der netten Stadt einfach mal unseren Frieden schließen.


Zeit für Gezeiten


Jetzt steht der Küstenwechsel von der Ost- zur Nordsee an. Entspannt geht es weiter nach Husum, das von Theodor Storm einst als „Graue Stadt am Meer“ bezeichnet wurde. Da überrascht dann doch eine lebendige und bunte Hafenstadt, die sofort Lust auf Krabbenbrötchen und Ähnliches macht. Also Theodor, alter Stormbringer, da solltest Du heute mal reinschauen.
Die Nase angenehm im Wind führt die Nebenstrecke über Oldenswort nach St. Peter-Ording, das schon von weitem aufgrund seiner bekannten Pfahlbauten zu erkennen ist. Scheinbar endloser Sandstrand lädt zur legalen Spritztour auf dem freigelegten Meeresgrund ein. Zwölf Kilometer lang und zwei Kilometer breit ist die Spaßpiste, die von Naturfreunden, Aktivsportlern und eben Bikern begeistert genutzt wird. Romantische Windmühlen begleiten den Reisenden dann durch Dithmarschen und Elbmarschen bevor die Fähre zur Elbübersetzung in Glückstadt ablegt.


Das nächste Ziel ist Cuxhaven bzw. Cuxhoben, wie es auf plattdeutsch heißt. Auf dem Weg dahin deutet der Name „Moorheilbad Bad Bederkesa“ bereits an, mit welcher Art von Landschaft es der Motorradreisende jetzt zu tun hat. Cuxhaven gefällt mit Strandkorbkulisse und seiner „Alten Liebe“, einem Schiffsanleger und Wellenbrecher in Gestalt eines zweigeschossigen Holzbauwerks. Hier winkt man den Pötten nach, die in die weite Welt hinausfahren. Südwärts führt die Route parallel zur Küste nach Bremerhaven, bei Rennsportfans auch als Fishtown bekannt. Das jährlich an Pfingsten stattfindende Fischereihafenrennen zieht Tausende in den Norden Deutschlands, die sich sicher auch an den Museumsschiffen, dem Nordsee-Aquarium und diversen Leuchttürmen erfreuen.
Varel, Jever und Aurich werden danach motorradfreundlich miteinander verbunden und schon ist die Ostfrieslandrunde erfolgreich abgetourt. Unbedingt reinschauen sollte man bei Börjes in Augustfehn, einem der erfolgreichsten Motorradhändler der Republik. Kein Wunder, denn guter Service wird hier mit phänomenalem Engagement kombiniert. Wer einmal beim weitbekannten Frühjahrstreff in Augustfehn war, weiß wovon die Rede ist.


Zurück in die Kurvenspur


Unspektakulär, aber durchaus reizvoll, schlängelt sich die MSD an Oldenburg vorbei in Richtung Osnabrück. Ab dem Erreichen der Weser bei Vlotho und Rinteln kann der Schalter wieder auf „knackig“ umgelegt werden. Da lockt dann beeindruckende Lenkerarbeit in Richtung Weserbergland, das mit dem Köterberg seinen größten Treff und den Strecken um Höxter seine fahrerischen Höhepunkte hat. Mit der Tonenburg und der Villa Löwenherz verfügt die Region über weitere Begegnungsstätten mit hohem Benzingesprächsfaktor.


Mit dem sehenswerten Bad Karlshafen erreicht man wieder hessischen Boden und darf im Reinhardswald sofort beeindruckendes Straßenmaterial testen. Da kommt ein Kaffeestopp im liebenswerten Bad Arolsen gerade recht. Das Barockschloss und eine schöne Flaniermeile stimmen auf die restlichen Routenkilometer ein. Diese haben es noch einmal richtig in sich und sind mehr als ein würdiger Abschluss der MSD-Nordroute. Das Sauerland wartet und das Land der 1000 Kurven wird schnell zum Land der 1000 Kurven. Von Marsberg bis Willingen befindet sich der Kurvenreiter in der geliebten Ausrichtung auf seinem Stahlross. Willingen, so etwas wie die Partymeile der Region, hat einen der bekanntesten Bikerwirte der Region vorzuweisen. Bikerwirt Walter Saure zeigt seinen Motorradgästen gerne sein Sauerland, oder sollte man sagen sein Saureland?
Ganz sicher zeigt er ihnen auch das Curioseum in Usseln, das mit einer gigantischen Sammlung von Fahrzeugen, Kitsch und Krempel auf begeisterte Besucher wartet. Der nachfolgende Weg zum Edersee ist ein Traum und führt über kleinste und windungsreiche Straßen zum zweitgrößten Stausee der Republik. Ein Stopp am Zündstoff ist Pflicht, schon alleine deswegen, weil hier bewiesen wird, dass eine Currywurst nicht die höchste Form der Esskultur am Bikertreff sein muss.


Schwalmstadt und das einladende Alsfeld sind die letzten Stationen der Nordroute bevor man wieder den Schottenring erreicht und sagenhafte 2.500km abschließt.

Die Motorradstraße Deutschland - MSD

Die MSD-Ostroute

Die MSD-Westroute

Die MSD-Südroute

 

 

 

Kurviger- Navigationsdaten zur MSD- Nordroute

 

A- von Schotten nach Bad Sooden-Allendorf 166 km
B- von Bad Sooden-Allendorf nach Goslar 156 km
C- von Goslar nach Coppenbrügge 159 km
D- von Coppenbrügge nach Winsen a.d.Aller 152 km
E- von Winsen a.d.Aller nach Winsen a.d.Luhe 150 km
F- von Winsen a.d.Luhe nach Dreggers 151 km
G- von Dreggers nach Todendorf 154 km
H- von Todendorf nach Westensee 162 km
I- von Westensee nach Flensburg 147 km
J- von Flensburg nach Heide i. Holstein 163 km
K- von Heide i. Holstein nach Flögeln 153 km
L- von Flögeln nach Neuenburg 152 km
M- von Neuenburg nach Remels 157 km
N- von Remels nach Engter 166 km
O- von Engter nach Dörentrup 151 km
P- von Dörentrup nach Niedermeiser 176 km
Q- von Niedermeiser nach Herzhausen 152 km
R- von Herzhausen nach Schotten 155 km