Alles richtig gemacht, Boomer!

Alles richtig gemacht, Boomer!©Elke Hinterschuster

 

Es gibt Geschichten, die schreibt wohl nur das Motorradleben. Im Jahr 2016 lernten sich, auf einer geführten Motorradtour durch den Südwesten der USA, 13 Motorrad-Reisefans aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands kommend, kennen. Daraus entstand eine unglaublich starke Gemeinschaft, die sich einmal im Jahr zum Motorradfahren trifft, ihre Freundschaft feiert und ihr Dasein ausgiebig genießt.

Text ©Klaus Hinterschuster

Im letzten August war die Dreiländerregion Deutschland-Tschechien-Österreich das Ziel. Neben satten Kurven und einladenden Besichtigungsstopps gehörten nicht zuletzt die kurzweiligen Abende unter Freunden und die Kulinarik zu den Highlights eines gelungenen Wiedersehens.
Mit dem Landrefugium Obermüller, in der Nähe von Passau, wurde ein Ausgangsort gewählt hatte, der aus mehreren Gründen begeisterte.

DIENSTAG

Morgens, kurz nach 9, erweckte ich die 1100er Versys zum Leben. Wir hatten uns die beliebte Kawasaki-Reisemaschine vor ein paar Tagen in den Fahrzeugpool geholt. Für die rund 1.500 Kilometer in den nächsten Tagen sollte sie mein Tourenbegleiter sein. In den letzten Jahren hatte ich schon diverse Vorgänger der muskulösen Grünen gefahren, und es hat immer richtig Spaß gemacht.
Ziel war zunächst das Hotel Kainsbacher Mühle in Happurg bei Nürnberg, wo ich mich mit Thomas aus Torgau/Sachsen und Bernd-Uwe aus Nürnberg treffen wollte, um von hieraus am nächsten Tag in Richtung Passau aufzubrechen. Natürlich nicht, ohne am Abend schon einmal auf das Wiedersehen anzustoßen.
Mit dem Kurviger-Routenplaner hatte ich eine attraktive Tour vom heimischen Alzenau in Unterfranken zur Kainsbacher Mühle, in der Nähe von Nürnberg, geplant. Für die Anreise konnte ich mir locker einen Tag Zeit nehmen. Das war nach der rigorosen Umstellung bei MOTORRADSTRASSEN endlich möglich- selbst wieder mehr Zeit auf dem Motorrad verbringen.

Schnell war Schöllkrippen erreicht. Hier bog ich auf die beliebte Motorradstrecke in Richtung Bikertreff Engländer ab und genoss das Fahrwerk und die Schräglagenfähigkeiten der Kawa, ohne den satten Vierzylinder auch nur annähernd zu fordern. Natürlich war hier um diese Zeit kaum jemand unterwegs, denn dem Kurvenspielplatz fehlte das Applauspublikum vom Wochenende. Nicht selten muss man hier dann Bikes und Biker aus dem Wald ziehen, da die Geschwindigkeitsbegrenzung mit einer Geschwindigkeitsempfehlung verwechselt wird oder einer dieser YouTube-Idioten beweisen muss, dass man diese Strecke auch mit 180 km/h fahren kann – zumindest einmal.
Bald darauf folgte das Hafenlohrtal, eine wildromantische Waldstrecke, die zum Dahingleiten einlädt und fast schon einen meditativen Charakter hat. In einem sportlichen Bogen umfuhr ich Würzburg, vorbei an Volkach samt Mainschleife, und landete schließlich in „Toni´s Gasthof“ beim Autohof Strohofer in Geiselwind. Hier halte ich immer wieder gerne am beliebten Trucker-Stopp, wo vor allem die Speisen aus der eigenen Metzgerei immer wieder begeistern. Dem Zeitgeist geschuldet gab es auch einen bescheidenen Abschnitt mit vegetarischen und veganen Gerichten in der Speisekarte. Etliche Fleischverweigerer dürften allerdings, bereits beim Blick auf die Teller der anderen Gäste, freiwillig das Weite suchen. Die Tagesempfehlung, ein herrlicher Fleischspieß mit leckerem Kartoffelpüree und Krautsalat, kombiniert mit einem alkoholfreien Weizen wurde von mir gegen einen Zwanziger eingetauscht, wobei sogar noch 2,30 € Trinkgeld für die rustikale Kellnerin integriert waren.


Wenig später trieb ich die Kawa, vorbei am schönen Bamberg und am Kulttreff Kathi´s Bräu, in Richtung Zielort Happurg. Nach der touristischen Perle der Fränkischen Schweiz, Pottenstein, ging es über begeisternde Nebenstrecken ins einladende Hersbruck. Ich bedauerte inzwischen, dass wir mit unserem Magazin diesen Teil von Franken doch arg vernachlässigt haben und nahm mir fest vor, dieses Versäumnis möglichst zeitnah auszuräumen.

Kurz nach 16 Uhr erreichte ich die Kainsbacher Mühle, stellte mein Bike in die Garage, checkte ein und bezog mein Zimmer. Zehn Minuten später saß ich bereits vor einem großen kühlen Bier im herrlichen Garten des Hotels, während im Hintergrund das große Mühlrad seine Arbeit erledigte und das beruhigende Geplätscher zum gedanklichen Rückblick einlud.

Hotel Kainsbacher Mühle

Mühlgasse 1
D-91230 Kainsbach – Happurg
Telefon   +49 (0) 9151 / 728 0

www.kainsbacher-muehle.de

Ziemlich genau 9 Jahre war es jetzt her, dass sich die Gruppenmitglieder in Las Vegas zum ersten Mal begegnet waren. Nach einem individuellen und unvergesslichen Tag in Las Vegas saßen am nächsten Morgen besagte 4 Paare und 5 Einzelfahrer erstmals gemeinsam in der Hotellobby und begannen sich zu beschnuppern. Sie wurden herzlich von Reiner und Marion, den Guides von „Amerika Heller“, begrüßt und ausgiebig gebrieft. Dabei ging es vor allem um die Verkehrsregeln, die sich in einigen Dingen doch wesentlich von denen in Deutschland unterscheiden, wie z.B. beim auf allen Spuren erlaubten Überholen und dem Verhalten an Kreuzungen. Wenig später wurden wir zum Vermieter Eaglerider gebracht, übernahmen die Harleys und starteten unser Motorradabenteuer, die wohl für alle Teilnehmer zu DER Motorradreise in ihrem Bikerleben wurde.


Der dumpfe Sound einer R 1250 RS und das unverkennbare Geballer einer „Sporty“ rissen mich aus meinem Dämmerschlaf. Meine Bikerfreunde aus Sachsen und Nürnberg waren eingetroffen. Wenig später saßen auch sie am Tisch und die Wiedersehensbiere befeuchteten die trockenen Bikerkehlen. Bernd-Uwe war inzwischen Rentner geworden, was erstaunlicherweise zu keinem größeren Kurseinbruch bei Deutschlands größtem Versicherer geführt hat.
Wir sprachen, neben der Vorfreude auf das Treffen und Anekdoten aus der gemeinsamen Vergangenheit, dann auch über die von Thomas geplante Tour am nächsten Tag. Rund 250 Kilometer in Richtung Passau standen an und wir konnten Bernd-Uwe beruhigen, der sich bereits Gedanken machte, dass er mit der kleinen Harley wohl etwas ins Hintertreffen geraten könnte. Thomas und ich hatten schon einige Treffen zu zweit angefahren und hatten es dabei auch immer mal, wenn möglich, ordentlich krachen lassen, da wir fahrerisch sehr gut harmonieren. Das war aber im jetzigen Fall nicht gefragt. Außerdem kam Bernd-Uwe mit seinem Motorrad sehr gut zurecht und war alles andere als ein Klotz am Bein.
Schließlich setzte sich Hotelchef Ron kurz zu uns, der mit seiner Ducati Monster alle Kurven rund um die Kainsbacher Mühle bereits erfolgreich gemeistert hatte. Wir redeten mit dem sympathischen Gastgeber ein wenig Benzin und seine Essensempfehlung, die fränkische Spezialitätenplatte, die uns später serviert wurde, war ein echter Hit. Wie es sich gehört, kommt Ron nach dem gehaltvollen Essen mit einer Runde Quittenbrand zu uns und heißt uns noch einmal herzlich in der Kainsbacher Mühle willkommen.
Nach weit über 400 knackigen Landstraßen-Kilometern machte sich die Müdigkeit bei Thomas zuerst bemerkbar und kurz vor Mitternacht verzogen wir uns auf unsere Zimmer. Ich knallte mir noch ein bisschen was von meinen geliebten EAGLES auf die Ohren und schlief dann in einer anderen Herberge ein- im „Hotel California“.

MITTWOCH

Nach einem reichhaltigen Frühstück und einer Verabschiedung bei Ron und seinem Team holten wir die Bikes aus der Garage – die Benzinfässer waren natürlich von allen vor der Ankunft im Hotel bis zum Rand gefüllt worden. Natürlich durfte ein Witzchen über das Tankvolumen der Sporty nicht fehlen. „Die Sporty ist vollgetankt und wir fahren noch nicht auf Reserve – passt.“, lachten Thomas und ich.
Das Wetter war grandios – wir starteten bei blauem Himmel und 14 angenehmen Grad. Nach kurzem Einschwingen erreichten wir Amberg in der Oberpfalz, das bereits beim Durchfahren einen positiven Eindruck hinterlässt. Einen positiven Eindruck hinterlassen auch die Motorradstrecken der Oberpfalz, die wir, vorbei an Schwandorf, Cham und Furth im Wald, entspannt genießen. Dabei lassen wir so manches Verkehrshindernis mit 4 Rädern schnell hinter uns, die Sporty immer in Hörweite dicht dran. Schließlich erreichten wir den Bayerischen Wald und mit ihm den Bikertreff am Arbersee - hier leinten wir unsere Stahlrösser vor dem großen Holzhaus an.


Es war viel los für einen Mittwoch – kein Wunder, es waren ja noch Sommerferien in Bayern. Die Atmosphäre und die Einrichtung sind rustikal, da machten auch die weiblichen Bedienungen keine Ausnahme. Jeder dumme Spruch wird grandios und großartig retourniert.
Hausgemachte Tellersülze und Bayerischer Wurstsalat waren die perfekten Zwischenmahlzeiten für die weitere Strecke, die noch weit über 100 Kurvenkilometer für uns bereithielt. Und natürlich noch einen Tankstopp für die Sporty.
Parallel zur tschechischen Grenze arbeiteten wir uns in Richtung Untergriesbach voran, unseren Aufenthaltsort für die nächsten Tage.
Die Straßen wurden enger und kurviger. Bei Überholvorgängen mussten wir jetzt schon mehr auf Bernd-Uwe achten, denn während Thomas und ich mit unseren gut motorisierten Bikes schnell zu zweit an einem Auto vorbei huschten, brauchte Bernd-Uwe verständlicherweise mehr Anlauf und wesentlich mehr Strecke zum Vorbeiziehen. Wir meisterten aber alle Situationen wie ein eingespieltes Team und fuhren schließlich beim Landrefugium Obermüller ein.
Wir stellten die Bikes in einer riesigen Scheune, umfunktioniert zur Bikergarage, ab und entdecken bereits die Harley von Jörg und Annette. Daneben parkte die Harley von Dietmar und Petra. Beide Harleys waren mit dem Anhänger gebracht worden, da die über 600 Kilometer aus der Pfalz doch ein wenig happig waren. Auch Andreas und Sandra, die normalerweise mit einer Electra Glide unterwegs sind, waren mit dem Auto aus dem Saarland angereist und wollten sich ab morgen hier ein Motorrad mieten.
Thomas, Bernd-Uwe und ich checkten ein, brachten unsere Sachen aufs Zimmer und trafen uns dann auf der Terrasse zum Einlaufbier. Im großen Außenpool plantschten und schwammen bereits die vor uns angekommenen Freunde und ließen es sich im erfrischenden Nass gutgehen. Der Blick von der Terrasse in die weitläufige, grüne und saftige Landschaft ließ sofort Urlaubsstimmung aufkommen.
Schließlich traf auch der Rest unseres Teams ein. Erich, der Schwabenhof-Wirt aus dem Allgäu, auf der KTM und unser Spezialist für englische Oldtimer, Edi, auf seiner Police-Harley. Und natürlich meine Frau Elke, die bei der 500 Kilometer-Tortur auch lieber das Cabrio genommen hatte und diesmal bei mir als Sozia mitfahren wollte.
Frisch geduscht saßen wir dann zu zwölft auf der Terrasse, freuten uns über die gelungene Anreise und feierten unser Wiedersehen nach über einem Jahr, wo wir uns in Cochem an der Mosel zuletzt gesehen hatten. Natürlich schickten wir auch ein Foto und Grüße an unseren Ducati-Dino, der diesmal leider nicht dabei sein konnte.
Dass wir mit dem Landrefugium Obermüller ein perfektes Hotel für unser Treffen gefunden hatten, wurde beim Abendessen überdeutlich. Es begann bereits damit, dass wir einen tollen Tisch erhalten hatten, der zum einen unweit des Buffets lag und zum anderen aber in einem Raum, den wir fast für uns alleine hatten. So konnte etwas lauter gelacht und geredet werden, was ja bei einer 12-köpfigen Gruppe von Motorradfans durchaus vorkommen soll.

Landrefugium Obermüller

Sonnenweg 12
D-94107 Untergriesbach

Telefon: +49 (0) 8593 / 90 05 - 0
www.landrefugium.de

Wir wurden dann vom Hausherrn Wolfgang Obermüller freundlich und mit einer netten Willkommensrede begrüßt, und man merkte ihm sofort an, dass der Zündapp-Fan ein Herz für motorradfahrende Gäste hat und die Begrüßung alles andere als eine Pflichtübung war.
Und dann das Essen. Wir entstammen alle einer Generation, die gerne und vor allem auch gut isst. Auch diesbezüglich war das Landrefugium Obermüller einfach perfekt. Bereits das Salatbuffet überzeugte mit frischen, knackigen Salaten und hervorragenden Dressings. Nach Vorspeise und Suppe war ein Hauptgericht wählbar, entweder Fleisch, Fisch oder vegetarisch. Zum Abschluss gab es dann noch ein zauberhaftes Dessert. Der Service war vorbildlich und auf eine entspannte Art und Weise persönlich, ohne aufdringlich zu sein.


Es gab viel zu erzählen, da ein Großteil der Gruppe in den letzten 9 Jahren in Vorruhestand bzw. in Rente gegangen war. Hätte man eine Weltkarte zur Hand gehabt und Stecknadeln auf die Reisestationen gesetzt, die seit unserer Reise 2016 erobert wurden, wäre es wohl recht bunt auf dem Tableau geworden. Von einem prall gefüllten Europa bis nach Afrika, Neuseeland und Australien blieb kaum ein bereisbares Fleckchen offen. Und das trotz der unsäglichen Coronazeit.
Nach dem Umzug vom Esstisch in die Hotelbar „5 Elements“ ließen wir, u.a. bei Bierspezialitäten von der Craftbeer-Karte, den Abend ausklingen, machten eine Uhrzeit fürs gemeinsame Frühstück aus und verzogen uns ins Reich der (Biker)träume.

DONNERSTAG

Das Wetter am Donnerstag war schlichtweg ungeeignet zum Motorradfahren. Das nahe Passau bot sich daher zum Besuch an. Dort befand sich auch der Motorradhändler, bei dem sich Andreas ein Bike leihen wollte. Im Hotel wurden wir mit Regenschirmen versorgt und nutzten die mitgebrachten PKWs um in die schöne Dreiflüssestadt Passau zu fahren.
Zunächst stoppten wir bei „Motorrad Leebmann“, einem Top-Händler für BMW, KTM, Honda und Yamaha. Die Präsentation und die Anzahl der Bikes ließ keine Wünsche offen. Der professionelle Service stand dem in nichts nach. Andreas entschied sich für eine F 800 GS als Begleiter für die nächsten Tage und man vereinbarte die Abholung für den morgigen Freitag.
Danach stand die Besichtigung der Domstadt auf dem Programm, die wir, trotz immer wieder einsetzenden Regens, genossen. Ob Dom St. Stephan oder die Altstadt mit ihren engen Gassen und herrlichen Plätzen – diese Stadt ist selbst bei schlechtem Wetter ein Erlebnis. Einen kurzfristigen Wolkenaufriss nutzten wir zum Eisgenuss im Freien.


Zurück im Landrefugium Obermüller wurde das umfangreiche Wellnessangebot genutzt. Vom sanften Entspannen in der Biosauna, über das Schwitzen im klassischen finnischen Saunaraum oder zur Regeneration im Dampfbad standen vielfältige Möglichkeiten bereit.
Am Abend stellte sich Melli bei uns vor, die ab sofort für unsere Betreuung im Service federführend zuständig war. Melli war eine fulminante Mischung aus Lebhaftigkeit, Showtalent und Beratungskompetenz in Sachen Wein, Craftbeer und Cocktails.
Natürlich kamen wir auch auf die USA zu sprechen und waren weitestgehend enttäuscht darüber, wie sich unsere innere Einstellung zu dem Land verändert hat. Manche aus der Gruppe würden aktuell trotzdem hinfahren, andere, wie auch ich, hätten absolut keine Lust dazu.
Für uns Boomer waren die USA immer ein Traumland und trotz mancher, nicht nachvollziehbarer weltpolitischer Aktion, wurde die Verbundenheit mit den Vereinigten Staaten nie in Frage gestellt. Diese Verbundenheit zwischen Amerikanern und speziell uns Deutschen hatten wir auch auf unserer damaligen Reise immer wieder erleben dürfen. Man war an uns interessiert und es waren überraschend viele Menschen dabei, die einst bei der Army in Deutschland gedient hatten und uns von vielen positiven Erinnerungen erzählten.
Wenn es früher Probleme zwischen den Nationen gab, wurden diese so besprochen und geklärt wie es sich unter Partnern gehört. Dieses Verhältnis und vor allem das gegenseitige Vertrauen und der Respekt wurde vom Team Trump, Vance & Co. bewusst, aus purem Größenwahn und Machtgier, mit Spaltungsversuchen torpediert. Offensichtlich merken aber auch die Trump Wähler inzwischen, wer letztendlich die Rechnung z.B. des Zollirrsinns bezahlt und welch fragwürdigen Personen der rote Teppich unterwürfig ausgerollt wird. Bleibt zu hoffen, dass dieser ganze Spuk in absehbarer Zeit endet. Dank prominenter Persönlichkeiten, wie beispielsweise Bruce Springsteen, die mutig den Finger in die Wunde legen, scheint die Bevölkerung der USA langsam aus ihrer Schockstarre zu erwachen.

FREITAG

Am Freitag ging es endlich auf die Bikes. Andreas hatte bereits seine BMW geholt und war zunächst von der Leichtigkeit des Bikes irritiert, da er auf einmal rund 150 KG weniger unter dem Hintern hatte und sich das Münchner Kindl fast wie ein Fahrrad steuern ließ.


Unser Ziel war zunächst Mattighofen im österreichischen Mühlviertel, wo wir die KTM Motohall besichtigen wollten. Zunächst verwöhnte uns die Donau mit den fast alpinen Auf- und Abfahrten neben dem königlichen Gewässer. Umwerfende Aussichten luden immer wieder zum entschleunigten Dahingleiten ein. Schließlich war das READY TO RACE MUSEUM erreicht.
Das ovale Gebäude ist architektonisch hochinteressant gestaltet und der Bezug zum Motorsport unübersehbar. Es symbolisiert eine Rennstrecke, während die Fassade Reifenspuren andeutet.
Die Motohall wurde im Mai 2019 eröffnet und ist ein Mix aus Museum, Markenhuldigung und interaktiver Erlebnisshow. Insgesamt erstreckt sich die Präsentation über 3 Ebenen. Informativ und attraktiv gestaltet ist die Timeline von den Anfängen der Marke bis in die Jetztzeit. Dekoriert mit legendären Motorrädern, Rennmaschinen sowie Technik- und Designmaterialien ist sie ein echter Hingucker.
Richtig mitreißend ist die „Heroes“-Ebene. Hier werden erfolgreiche KTM-Rennfahrer und ihre Maschinen präsentiert und im Rahmen einer spektakuläre 360-Grad-Videoprojektion angeleuchtet, wenn sie Thema in der Projektion sind.
Zwei Stunden später standen wir beeindruckt am Ausgang der Halle, die unbedingt besucht werden soll, auch wenn die extrovertierte und aus der Bahn geratene Marke mit unseren Vorstellungen von Motorradfahren nicht allzu viel zu tun hat. Während wir, um es einmal mit Getränken auszudrücken, zur Fraktion Jacky-Cola, Wein und Bier gehören ist das hier eindeutig Red Bull.
Nach einer kurvigen Fahrt durchs faszinierende Innviertel erreichten wir Burghausen, das mit der längsten Burg der Welt (1.051m) protzen darf. Wir stoppten in der sehenswerten Altstadt und ließen uns in einem der einladenden Biergärten nieder. Anders als am Morgen nutzten wir zur Rückfahrt die Wege westlich der Donau und fuhren, nach rund 250 Tourenkilometern, befriedigt im Landrefugium Obermüller ein.
Am Abend erwarteten uns, neben der freundlichen Begrüßung durch unsere Melli, einmal mehr kulinarische Genüsse aus der immer wieder begeisternden Küche des Landrefugiums.
Natürlich hatten wir auch nach dem Essen Themen, die uns beschäftigten. Von der Entwicklung unseres Landes bis zur Schieflage der Welt und den Klimaklebern war alles dabei. Völlig einig waren wir uns darüber, dass es nicht sein kann, dass man vom Nichtstun in Deutschland relativ gut leben kann und das Bürgergeld zum attraktiven Einkommensmodell geworden ist. Das kommt bei einer Gruppe, in der keiner unter 40 Arbeitsjahre hinter sich hat, nicht so gut an.
Ein Satz erlöste uns dann schnell von den negativen Themen.
„Letztendlich sind uns die Klimakleber doch ein bisschen ähnlich: wir kleben alle bevorzugt auf dem Asphalt – die mit den Händen, wir mit den Motorradreifen.“

288 km - ca. 6 Stunden KURVIGER-Link zur Tagestour

SAMSTAG

Am Samstag teilte sich die Gruppe auf. Die Frauen hatten Lust auf eine Wanderung. Auch hierzu gab es im Hotel interessante Anregungen und Vorschläge.


Die Männer zog es nach Tschechien, das mit dem Lipno (Moldaustausee) und Český Krumlov (Krumau) attraktive Ziele anzubieten hatte, die über knackige Motorradstrecken zu erreichen waren.
Die Stadt Český Krumlov ist eine malerische Stadt, mit mittelalterlichem Charme, die zur Region Südböhmen gehört. Sie liegt an der Moldau und ist vor allem für ihre hervorragend erhaltene Altstadt bekannt, die seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Das Stadtbild wird von engen, verwinkelten Gassen, historischen Bürgerhäusern und dem imposanten Schloss geprägt. Besonders auffällig ist der Schlossturm, der ein Wahrzeichen der Stadt darstellt.
Krumau hat eine lange Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, und war einst ein bedeutendes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum.
Wir waren, nicht zuletzt, vom gastronomischen Angebot begeistert und hielten uns länger in der Stadt auf als geplant. Anschließend kurvten wir zum Lipno, dem größten Stausee in Tschechien. Mit einer Länge von etwa 40 Kilometern und einer Fläche von rund 48 Quadratkilometern wird der Lipno-Stausee oft auch als „Südböhmisches Meer“ bezeichnet. Die Landschaft rund um den See ist geprägt von dichten Wäldern des Böhmerwaldes (Šumava) und sanften Hügeln, was ihn zu einem beliebten Erholungsgebiet macht.
Windungsreich ging es schließlich nach Untergriesbach zurück.
Beim Abendessen wurden die Wander- und Tschechien Erlebnisse zum Besten gegeben. Langsam kam Abschiedsstimmung auf. Also, beste Zeit um den Termin und das Ziel für das nächste Jahr festzulegen. Schließlich wählten wir die Kainsbacher Mühle aus, bei der es Bernd-Uwe, Thomas und mir auf der Herfahrt so gut gefallen hatte.

241 km - ca. 5 Stunden KURVIGER-Link zur Tagestour

SONNTAG

Am Sonntag wurde zuerst noch das Gruppenfoto geschossen. Nach einer sehr herzlichen Verabschiedung machten wir uns auf den jeweiligen Weg nach Hause. Bevor ich die Kawasaki nach Hause lenkte, bedankte ich mich auch noch einmal bei unserem Gastgeber Wolfgang Obermüller, der mit seinem Haus genau den Geschmack unserer Gruppe getroffen hatte.


Auf der Rückfahrt nach Unterfranken, wo mich die Versys wieder einmal absolut begeisterte, ließ ich unser Treffen noch einmal Revue passieren.
Ja, unsere Generation genießt ihr Leben und hat dafür auch einiges geleistet. Und eines ist klar: Solange wir fahren können, werden wir uns treffen. Einmal im Jahr. Mindestens.
Boomer-Ehrenwort!

 

Kawasaki Versys 1.100 SE

Auf dieser Tour war wieder einmal die Kawasaki Versys 1.100 SE unsere Begleiterin. Der sportliche Tourer zeigte sich wieder einmal als komfortabler und zugleich sportlicher Untersatz, der nicht zuletzt durch seinen starken und kultivierten Vierzylindermotor, mit 135 PS, überzeugt. Das Fahrwerk lässt sich flexibel auf Sport- oder Touring-Betrieb abstimmen und unterstreicht damit den gelungenen Mix aus Dynamik und Langstreckentauglichkeit. Dank ihrer hohen Vielseitigkeit eignet sich die Versys sowohl für den Alltag als auch für ausgedehnte Touren. Das funktionell gute Koffersystem hätte ein paar Liter Volumen mehr verdient – diese wurden allerdings dem, zugegeben attraktiven, Design geopfert.
Dass diese Kawasaki keine klassische Reisenduro mit Lust auf Gelände-Abstecher ist wird schon auf den ersten Blick klar – aber wer möchte denn mit so einem Motorrad Schotterpisten erobern?
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