2018 - Zeit zum Wandel...?

Kawasaki Z900RS

Die Eicma im November 2017 wurde wieder einmal ihrem hohen Stellenwert im Markt gerecht. Was erwartet uns nun im Motorradjahr 2018 und darüber hinaus? Der bekannte Blogger Torsten Thimm war für uns in Mailand. Eingebunden in diesen Artikel findet ihr auch die Promotion zu den relevanten Motorradmessen in Deutschland, wo es natürlich die meisten vorgestellten Neuheiten zum Sehen und zum Aufsitzen parat stehen.

Die EICMA 2017 verdeutlicht einmal mehr, dass der Motorradmarkt trotz des nachgewiesenen Retro-Schwerpunkts auch zukünftig eine große Vielfalt bietet. Darüber hinaus sind auch die Prototypen und polarisierende Fahrzeuge wie z.B. Yamahas Dreirad „Niken“ das Salz in der Suppe einer solchen Veranstaltung.

 

Am BMW-Stand fällt vor allem die K 1600 Grand America ins Auge. Als luxuriöses Langstrecken-Motorrad konzipiert und im Hause als Novum auf 160km/h abgeriegelt, wird ihr sonst fulminanter Sechszylinder sie sicher über die Weiten der amerikanischen Highways führen.

Nach mittlerweile zehn Jahren Modellpflege, hat BMW die midsize GS‘ en komplett neu entwickelt, mit der Vorgabe noch unbeschwerter Freude am Fahren zu empfinden. Dabei wendet sich die F 750 GS laut Hersteller den Motorradfahrern zu, die das Fahrgefühl einer Reiseenduro mit geringer Sitzhöhe, einem ausreichenden Leistungsangebot (77PS), hoher Wirtschaftlichkeit und starken Allround-Qualitäten verbinden. Die neue F 850 GS bietet mehr Leistung (95PS) und noch ausgeprägtere Touring-Eigenschaften, gepaart mit ausreichender Offroad-Tauglichkeit. Beide in China gefertigten Motoren arbeiten zukünftig nicht mehr im Gleichlauf, sondern wurden mit dem mittlerweile allseits bekannten Hubzapfenversatztrick von 90 Grad klanglich aufgepeppt.

Weiters ergänzt der Hersteller sein Rollerprogramm mit einem 400er Scooter, der ein wenig an den X-ADV von Honda erinnerte und sicher den Weg in der urbanen Mobilität finden wird. Und natürlich gehört bei BMW ein in vollem Umfang verfügbares Elektronikpaket mit allerlei Helferlein zum Programm der vorgestellten Maschinen dazu.

Ducati präsentierte außer der Panigale V4, mit 214 PS Leistung und 198 Kilogramm Gewicht, zwei weitere Neuheiten: Mit dem Scrambler 1100 rundet man die Retro-Modelle im Haus ab. Der altbekannte luft- ölgekühlte V2-Motor reicht nach Euro4 noch für 86PS und passt wie die Faust aufs Auge in dieses Konzept. Das Monster 821 rundet indes als neues Modell, die Familie nach unten hin ab, während man an die große Multistrada nur motorenmässig Hand anlegte. 1262ccm bietet sie nun, mit einer Leistung von 158PS und 130Nm Drehmoment. Damit ist ihr Motor das drehmomentstärkste Triebwerk seiner Klasse.

Und noch ein paar ältere Markennamen machten auf der Messe von sich reden. Harley-Davidson überraschte mit der Sport-Glide einem weiteren Modell der Softail-Baureihe. Kennzeichen dieser Maschine, sind ihre abnehmbare Lampenmaske, sowie die ebenfalls leicht demontierbaren Seitenkoffer. Bis zu 20 Prozent mehr Motorleistung dagegen verspricht der direkte Konkurrent Indian für all seine Modelle mit dem 111er-Motor. Aber auch an diesem Stand war das Salz in der Suppe der Prototyp, der aus der erfolgreichen Flattrack Maschine abgeleitet wurde. Sollte er kommen, ist die Freude am Fahren schon vorprogrammiert.

 

Bei Honda legte man den Fokus neben der neuen Goldwing, auf ein Sondermodell der Africa Twin die ,,Adventure Sports‘‘ genannt wurde und mit längeren Federwegen ausgestattet ist, sowie auf die Prototypen der 125er Monkey und der 125er Super Cub. Besondere Aufmerksamkeit widmete man der CB-Serie, die Nakedbikes im retrostyle Look wurden unter anderem als CB1000R, CB300R und CB125R vorgestellt.

Und auch bei Husqvarna geht man gleich mit drei Modellen, der Vitpilen 401 und 701 sowie Svartpilen 401 in den Frühling 2018. Die Straßenmaschinen des sonst eher enduristisch geprägten Herstellers, folgen in vielen Designelementen dem aktuellen Motorradmarkt und verbinden dies mit hochmoderner Technik. Wie nicht anders zu erwarten stammen die Motoren aus dem Mutterkonzern KTM, was eine einwandfreie Funktion garantieren sollte.

Das Kawasaki in seiner Modelloffensive nicht nachlässt, sah man bereits auf der Tokio-Motorshow mit der Z900RS. Zusätzlich dazu stellte man nun noch eine Cafe-Version des 110 PS-Bikes im klassischen Look, mit Lampenverkleidung im Stil der 70er Jahre vor. Mit der H2 SX geht man im Sporttourerbereich vollkommen neue Wege. Kompressorgeladen fasziniert die Maschine mit einer einzigartigen Designsprache und bietet mit aktivem Ram-Air System, bis zu 210 PS Leistung aus dem 1000er Vierzylinder. Der neu entwickelte und sehr steife Gitterrohrrahmen ermöglicht zudem stabilen geradeauslauf, sowie die Montage von Koffern. Mit der SE-Variante offeriert Kawa zudem ein mit elektrischem Kurvenlicht und weiteren Elektronikgimmiks ausgestattetes Modell. Auch der Basis ZX10R stellt man eine SE an die Seite. Ebenfalls mit 200 PS Leistung, aber zusätzlich mit einem semiaktiven Federungs- und Dämpfungssystem wartet diese Variante auf und verspricht dadurch höchsten Fahrspaß.

Während man bei den kleinen italienischen Herstellern, wie Motor Morini, MV-Augusta und vor allem auch Benelli (die zeigten geradezu eine Modelloffensive), einen Vorwärtstrend erkennt, schläft der Adler vom Comer See leider noch immer. So zeigte Moto Guzzi in Mailand neben zwei Design-Variationen der V7 einen Blick in die Zukunft. Mit einer Endurostudie namens V85, will man an die Reise-Vergangenheit der Marke anknüpfen. Dabei soll das weiterhin luftgekühlte Triebwerk etwa 80 PS aus 850 Kubikzentimetern Hubraum erreichen. Die fertige Serienversion allerdings wird wohl frühestens Ende 2018/Anfang2019 auf den Straßen zu sehen sein. Und leider lässt man seine treue Le Mans Kundschaft erneut im Regen stehen.

Bei Suzuki sieht das leider ganz ähnlich aus. Denn während die anderen japanischen Hersteller ein Modell nach dem Anderen zeigen, zeigt Suzuki in Mailand nichts wirklich Neues. Einzig eine Modellvariante der SV 650 hat es geschafft. Die als SV 650X bekommt eine Scheinwerferverkleidung und dezente Veränderungen beim Tankdesign, dem Sitz und dem Lenker, sowie eine einstellbare Gabel.

Ganz anders verhält sich das wiederrum bei Triumph. Denn nach der Vorstellung der neuen Speedmaster und Bonneville Bobber Black 1200 lag der Fokus des Herstellers auf seine beiden Reiseenduros Tiger 800 und Tiger 1200. Beide wurden typisch, in gelände- und straßenorientierten Ausführungen vorgestellt. Mit an Bord sind über 200 Updates an Fahrwerk, Motor und den technischen Kunststücken, inklusive eines hochmodernen Ausstattungspaketes. Alle Kleinen Katzen verfügen über den neuen 95PS starken 800er Motor, während die Großen Raubtiere den neuen jetzt mit 141PS erstarkten 1200er verbaut haben. Und natürlich hat Triumph dabei auch die A2 Führerscheinklasse mit bedacht, sowie die etwas kurzbeinigeren Menschen, mit einer LOW VERSION beim 1200er Tiger.

 

Den Sonderling der Messe zeigte Yamaha mit der, dem, das Niken. Das als Motorrad deklarierte Dreirad, wird vom Motor der MT09 angetrieben und ist ausschließlich mit einem Motorradführerschein zu fahren. Die Motorspendende MT09 wurde ebenfalls überarbeitet und kommt als SP-Variante mit schwedischem Gold am Fahrwerk daher. Eine Farbe die übrigens auch die überarbeitete GT-Variante der großen Tracer sehr gut bekommt. Ebenfalls farbig ist hier auch das neue TFT Display, welches man der Standard-Variante leider verwehrt. Die komplett erneuerte MT07 rundet die Modelle am Yamaha Stand ab, wobei man leider sagen muss, dass die lang erwartete MT07-Tenere erneut nur als Prototyp vorgestellt wurde. Ein wenig enttäuschend für die sonst so innovative Marke.

 

Fazit

Viele Hersteller orientieren sich an den Gegebenheiten des Marktes und gehen eher auf Sicherheit mit den neuen Modellen. Klassische Designlinien sind in und werden auch so interpretiert. Zum Glück wagen einige Marken auch mehr und man kann nur hoffen, dass die Kundschaft dem Rechnung trägt, indem sie diese Modelle kauft. Und obwohl die E-Mobilität mit großen Schritten vorangeht, hat man das Gefühl, dass gerade die großen Hersteller, bisher keinen Sinn darin sehen, hier wirklich tätig zu werden. Energica und auch Socco zeigen E-Bikes die nach echten Motorrädern aussehen und sicherlich eine Zukunft haben.

Bei den Motorradmessen 2018 könnt ihr die Modelle in Augenschein nehmen und Probesitzen.

 

 

Text ©Torsten Thimm

Fotos © Torsten Thimm und Hersteller